konsum


In Dachau, wo am Donnerstag The National und die Two Gallants auftreten (Für das Konzert hätte ich wahrscheinlich Pressekarten bekommen können. Nur wer hat mal wieder keine Zeit? Ich!), gibt es ein Gasthaus mit dem tollen Namen - kein Witz - “Alte Liebe” (Im Lus 4, 85221 Dachau-Mitterndorf).

Große Spezialität des Wirtshauses ist laut der Gastrokritikerin der SZ ein Gericht namens - schon wieder kein Witz - “König-Ludwig-Rolle”. Das ist eine “völlig abseitige Kreation”, und zwar ein aufgerolltes Schnitzel, gefüllt mit Würfeln von der sauren Gurke, paniert, frittiert und dann komplett in Remoulade getunkt. Mmmmmhhhhh - geil eklig!

Hat das schon mal jemand gegessen oder plant jemand jetzt, das nachzukochen? Wenn ja, freue ich mich sehr über Erfahrungberichte jedweder Art…

Ab und an kann man beim Metzger Hülf in der Nürnberger Innenstadt einen halben Schweinskopf für schlappe € 2,50 erwerben. Würde ich ja gerne ganz oft machen *hüstel*, aber irgendwie habe ich keine Lust darauf, das Ding dann im Zug ins 65 Kilometer entfernte Bamberg zu transportieren.

Gerne esse ich aber die Leberkäs-Semmeln vom Hülf. Die sind gut, SEHR GROSS (Wo ist nur das große “ß” wenn man es mal braucht?) und günstig.

Schuld an der ganzen Misere sind - wie so oft - die Wirte, die sich seit Jahren “lustige” Namen für ihre Etablissements einfallen lassen. “Bar Fuß”, “Bar Celona” und “Bar jeder Vernunft” sind dabei noch harmlosere Beispiele. Viel mehr als für diese Verfehlungen muss man die Wirte allerdings dafür geißeln, dass sie mit ihrer Kreativität Vertreter anderer Branchen dazu inspiriert haben, ebenfalls lasche Wortspiele zu benutzen. Wer sich jetzt fragt, wer denn mit “Vertreter anderer Branchen” gemeint sein soll, lebt wahrscheinlich in einem Dorf ohne Friseure. Überall sonst eröffnet schließlich in jedem leerstehenden Laden ein “Trendfriseur” namens “Hair Killer”, “Cut´n´Go” oder “Sonny & Scher´” (na gut, das letzte habe ich mir jetzt selbst ausgedacht - aber die anderen beiden gibt es wirklich).

Neuerdings greifen sogar Sushi-Restaurants zu ausgefallenen Namen, wie dieses hübsche Beispiel aus Nürnberg beweist:

Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob einem der Gedanke an Uschi Glas nicht den Appetit verdirbt…

Sushi Glas
Kornmarkt 5-7
90402 Nürnberg

“Der politische Konsument tritt auf den Marktplatz und ruft zur Einkaufsrevolution auf: Verliert beim Einkaufen nicht den Kopf, sondern guckt - an der Werbung vorbei - hinter die Fabrikmauern und entscheidet dann, was ihr kauft! Behaltet - bei aller Freude über eure schönen neuen Sachen - die ökologischen, sozialen und gesundheitlichen Folgen eurer Einkäufe im Kopf! Und kauft nur, was ihr für richtig haltet! Wenn ihr gegen Sklaverei seid, kauft keine Sklavenarbeit! Kauft kein Teakholz und kein Hühnchenbrustfilet, wenn ihr Regenwald wollt! Wechselt den Stromversorger, wenn ihr gegen Atomstrom seid! Boykottiert die Produkte, die euch nicht passen, und boykottiert die Hersteller, die tun, was ihr für verwerflich haltet! Schreibt an die Hersteller, löchert die Verkäufer mit Fragen, und erzählt es euren Freunden! Macht die Shoppingmall zur Arena des politischen Handelns! Und ihr werdet sehen, wie gefürchtet ihr seid. Und welche Macht ihr habt!”

Bitte lesen, wütend werden und handeln: Tanja Busse - “Die Einkaufsrevolution”

Meine Freundin V. ist neuerdings käuflich. Also nicht käuflich in diesem Sinne, ihr alten Schweinebären! Nein, vielmehr kann (und sollte) man einmal bei ihrem DaWanda-Shop vorbeisurfen, wo es schicke, mit viel Liebe selbst gemachte Broschen und andere Sachen zu erstehen gibt. Vor allem die Kassetten finde ich ganz grandios.

Also los, schon mal den Geldbeutel gezückt und losgekauft! 

Jawohl, ich würde gerne viel mehr Kleidung bei American Apparel kaufen. Immerhin ist das ein unterstützenswertes Unternehmen, das seine Klamotten von mehr oder minder glücklichen, fair bezahlten Angestellten in den USA zusammennähen lässt und nicht wie die Konkurrenz von kläglich entlohnten Kindern in Dritte-Welt-Ländern.

Aber - und jetzt kommt das Problem - die Sachen von American Apparel gefallen mir leider nicht besonders gut. Schlimmer noch, die meisten ihrer Klamotten finde ich sogar ausnehmend häßlich. Es ist wirklich ein Dilemma!

Gut zu wissen jedoch, dass ich nicht alleine mit dieser Misere dastehe. Peter Unfried, stellvertretender Chefredakteur der taz, berichtet in seinem klugen und unterhaltsamen Buch “Öko. Al Gore, mein neuer Kühlschrank und ich” ebenfalls von diesem Problem. In einem Gespräch mit dem Wiener Gesellschaftskritiker Robert Misik fallen folgende Sätze:

“Es stellte sich heraus, dass er dasselbe Problem mit American Apparel hatte wie ich: Die Sachen gefielen ihm nicht. Jedenfalls nicht so gut wie die von H&M.”

Immerhin sind wir jetzt schon zu dritt…