alltag


Das behauptet zumindest der schlaue Nicholas Carr in seinem in The Atlantic Monthly erschienenen Artikel “Is Google Making Us Stupid?”. Schließlich verkürze das Internet mit seinen häppchenweise dargebotenen Informationssplittern die Aufmerksamkeitsspanne und fördere generell Ablenkung, so Carr.

Ich stimme Carrs Thesen uneingeschränkt zu. Immerhin wollte ich heute morgen nur mal kurz meiner Dozentin eine Hausarbeit zumailen - aus einer Tätigkeit von wenigen Minuten wurden geschlagene 1 1/2 Stunden. YouTube sei Dank…

In Dachau, wo am Donnerstag The National und die Two Gallants auftreten (Für das Konzert hätte ich wahrscheinlich Pressekarten bekommen können. Nur wer hat mal wieder keine Zeit? Ich!), gibt es ein Gasthaus mit dem tollen Namen - kein Witz - “Alte Liebe” (Im Lus 4, 85221 Dachau-Mitterndorf).

Große Spezialität des Wirtshauses ist laut der Gastrokritikerin der SZ ein Gericht namens - schon wieder kein Witz - “König-Ludwig-Rolle”. Das ist eine “völlig abseitige Kreation”, und zwar ein aufgerolltes Schnitzel, gefüllt mit Würfeln von der sauren Gurke, paniert, frittiert und dann komplett in Remoulade getunkt. Mmmmmhhhhh - geil eklig!

Hat das schon mal jemand gegessen oder plant jemand jetzt, das nachzukochen? Wenn ja, freue ich mich sehr über Erfahrungberichte jedweder Art…

Ab und an kann man beim Metzger Hülf in der Nürnberger Innenstadt einen halben Schweinskopf für schlappe € 2,50 erwerben. Würde ich ja gerne ganz oft machen *hüstel*, aber irgendwie habe ich keine Lust darauf, das Ding dann im Zug ins 65 Kilometer entfernte Bamberg zu transportieren.

Gerne esse ich aber die Leberkäs-Semmeln vom Hülf. Die sind gut, SEHR GROSS (Wo ist nur das große “ß” wenn man es mal braucht?) und günstig.

Schuld an der ganzen Misere sind - wie so oft - die Wirte, die sich seit Jahren “lustige” Namen für ihre Etablissements einfallen lassen. “Bar Fuß”, “Bar Celona” und “Bar jeder Vernunft” sind dabei noch harmlosere Beispiele. Viel mehr als für diese Verfehlungen muss man die Wirte allerdings dafür geißeln, dass sie mit ihrer Kreativität Vertreter anderer Branchen dazu inspiriert haben, ebenfalls lasche Wortspiele zu benutzen. Wer sich jetzt fragt, wer denn mit “Vertreter anderer Branchen” gemeint sein soll, lebt wahrscheinlich in einem Dorf ohne Friseure. Überall sonst eröffnet schließlich in jedem leerstehenden Laden ein “Trendfriseur” namens “Hair Killer”, “Cut´n´Go” oder “Sonny & Scher´” (na gut, das letzte habe ich mir jetzt selbst ausgedacht - aber die anderen beiden gibt es wirklich).

Neuerdings greifen sogar Sushi-Restaurants zu ausgefallenen Namen, wie dieses hübsche Beispiel aus Nürnberg beweist:

Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob einem der Gedanke an Uschi Glas nicht den Appetit verdirbt…

Sushi Glas
Kornmarkt 5-7
90402 Nürnberg

So sieht gelungene Integration aus: Für den Schriftzug eines Hotels wurde - wie Claud, die inoffizielle München-Korrespondentin dieses Blogs, herausgefunden hat - kurzerhand sogar die Nationalflagge der Türkei mitten in den deutschen Nationaldichter hineinintegriert. Respekt!

Darf man The Audience (übrigens unten auf dem Bild in sagenhaft schlechter Qualität bei ihrem gestrigen Konzert im E-Werk zu sehen) guten Gewissens als Mittelfrankens Antwort auf Maximo Park bezeichnen? Ich finde, man darf. Von allen Bands aus Hersbruck - und das sind ja bekanntlich nicht wenige - sind die Herren um Frontmann Bernd Pflaum meine Favoriten. Das liegt zum einen an den unheimlich mitreißenden Live-Shows der Band und zum anderen am fabelhaften Tanzsstil von Bernd Pflaum, der etwa einer Mischung aus Bernd Begemann (immer diese Bernds - allesamt crazy), Joe Cocker und Pale-Sänger Holger Kochs ähnelt. Mit einem Wort also: Famos!

Vor dem Konzert gabs allerdings für mich in der Erlanger “Fuzo” (geil eklige Abkürzung für Fußgängerzone) erst mal ein Eis (Eis Café Toscani, Nürnberger Str. 28). Hat lecker geschmeckt, war aber keine Offenbarung. Dafür im Vergleich zu Bamberg um 5 Cent pro Kugel teurer. Die Menschen in der Siemens- und Medizinerstadt scheinen sich das leisten zu können…

Es ist zu heiß zum Bloggen! Ich suche mir jetzt erst einmal ein schattiges Plätzchen zum Zeitunglesen - immerhin muss ich all das nachholen, was mir während drei Wochen EM entgangen ist. Eine ganze Menge war das!

Update: Kaum war das schattige Plätzchen gefunden, wurde ich schon wieder von einem aufziehenden Gewitter vertrieben. Sauerei - gibt es denn keine heißen Tage ohne Gewitter mehr?
Trotzdem gibt es auch Erfreuliches zu berichten: Nach sehr toller Post aus Tübingen, Coburg und München in den letzten Tagen wurde es heute etwas exotischer im Briefkasten - eine Karte aus der Schweiz und ein mit Zollaufklebern vollgepapptes Päckchen aus den USA mit einem Rezensionsexemplar des neuen Albums von The Great Northwest drin. Ist übrigens sehr toll, die Platte…gibts ab 29. Juli überall zu kaufen.

Die EM ist nun vorbei, Spanien ein würdiger Sieger und ab sofort muss ich mir wieder überlegen, was ich abends mache, nachdem mir die Entscheidung nicht mehr abgenommen wird.

Nun ist es übrigens auch an der Zeit, die Deutschlandfähnchen am Auto wieder abzunehmen. An einem sicheren Ort aufbewahrt, halten sie sicher bis zur nächsten WM, die 2010 in Südafrika irgendwo stattfindet.

Das Ende der EM hat aber durchaus auch seine guten Seiten. Zum Beispiel sind die Chancen, dass man Katrin Müller-Hohenstein in nächster Zeit wieder mal in diesem scheußlichen Dirndl sehen wird, relativ gering. Außerdem verschwinden folgende grauenvollen Wörter für längere Zeit (vielleicht ja auch sogar für immer) in der Versenkung: Fanmeile, Public Viewing, Poldiundschweini, Dischziplin, Sommermärchen, schwarzrotgeil, Bergtour.

Vor zwei Wochen wurde hier berichtet, dass man von Eis, das aus einer Art Granulat besteht, die Finger lassen sollte. Zum Glück ist Plastik-Eis (noch?) eher eine Seltenheit und die meisten Eisdielen bieten mindestens genießbares Gefrorenes an. Weit überdurchschnittlich ist allerdings das, was im Eis Caffé Bassano (Obere Königsstr. 2, Bamberg) auf die Waffel bzw. in den Becher kommt. “Göttlich” trifft es ganz gut - Johannes B. Kerner auf der Bregenzer Seebühne würde wahrscheinlich von “großem Sport” oder gar “großer Oper” sprechen. Das Einzige, was mich immer ein wenig zermürbt, ist die Qual der Wahl. Aber zum Glück sind wirklich alle Sorten großartig (unbedingt probieren: Weißer Nougat). Dass die Eisdiele außerdem fußläufig nur knapp zehn Minuten - am Wasser entlang - von meiner Wohnung entfernt ist, ist ein weiteres Plus.

Während für die deutsche Mannschaft aus dem erhofften Sommermärchen ein Sommerdrama (Nürnberger Nachrichten) zu werden droht und für die Schweiz das Sommermärli bereits vorbei ist, haben die gruseligen Wetterbedingungen der EM-Gastgeberländer nun auch hiesige Breiten erreicht. Mit Fußballgucken im Biergarten ist es offenbar vorerst vorbei, aber zum Glück kann man sich die Spiele in der kurzerhand in Nordkurve umbenannten Erlanger E-Werk auch drinnen im Trockenen ansehen.
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In Zeiten von schwarz-rot-geilen Fanmeilen und Public-Viewing-Areas mit Ballermann-Ambiente ist die Nordkurve ein Hort des guten Fußballgeschmacks. Angenehmes Publikum, moderate Getränkepreise (die Halbe kostet 2,80 €) und täglich wechselnde Gerichte aus einem Teilnehmerland der EM. Als ich am Mittwoch dort war, gab es zum Beispiel ein sehr lecker aussehendes (tschechisches) Gulasch mit Knödeln. Feine Sache, das!
Weniger fein finde ich dagegen Ice´n´Go!, den neuen Eisstand im Nürnberger Hauptbahnhof.

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Dort wird das Eis nicht in der traditionellen Kugelform serviert, sondern in Bechern, die mit einer Art Granulat befüllt sind, das optisch und leider auch geschmacklich an die kleinen Plastikkügelchen erinnert, die man zum Beispiel auch in Hacky-Sack-Bällen findet. Ich nehme an, das ich mit meiner Portion Vanille für 1,90 € (dafür hätte ich beim Italiener 2 ½ Kugeln echtes Eis bekommen) trotzdem noch recht gut beraten war - wenigstens war es nicht so künstlich bunt wie die anderen Sorten. Diesen Eisstand werde ich in Zukunft jedenfalls weiträumig umgehen.

Lieber als in schlechtes Eis investiere ich mein Geld in gute Musik. Dem Vernehmen nach soll “Viva La Vida” (nicht: “Livin´ La Vida Loca”), das neue Album von Coldplay, gar nicht schlecht sein. Demnächst mehr dazu…

 

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