April 2008


Vor Feiertagen fahren im Zug immer die seltsamsten Menschen, von mir auch liebevoll “Rollkoffer-Gesocks” genannt. Überhaupt: Rollkoffer! Diese sperrigen und lauten Dinger gehören verboten. Wer meint, einen Koffer mit sich herumschleppen zu müssen soll ihn gefälligst auch ordentlich tragen.

Gut, wenn man auf solchen Bahnfahrten unterhaltsame Lektüre (”Das schöne Leben” von Christiane Rösinger) dabeihat, die einen von den anderen Fahrgästen ablenkt.  

Rocko Schamoni hat übrigens Recht: Bei Christiane Rösinger sind die Worte tatsächlich zu Hause. Ich freue mich schon auf die Lesung in zwei Wochen.

Meine Freundin V. ist neuerdings käuflich. Also nicht käuflich in diesem Sinne, ihr alten Schweinebären! Nein, vielmehr kann (und sollte) man einmal bei ihrem DaWanda-Shop vorbeisurfen, wo es schicke, mit viel Liebe selbst gemachte Broschen und andere Sachen zu erstehen gibt. Vor allem die Kassetten finde ich ganz grandios.

Also los, schon mal den Geldbeutel gezückt und losgekauft! 

Eben fällt mir auf, dass ich ein Hemd trage, das ich eigentlich schon gestern in die Wäsche geben wollte, weil ich mir einen ordentlichen Schluck Bier draufgeschüttet habe.

Mit diesem Hemd werde ich auch gleich in die Vorlesung gehen müssen…von wegen exklusive Unis und so.

Jawohl, ich würde gerne viel mehr Kleidung bei American Apparel kaufen. Immerhin ist das ein unterstützenswertes Unternehmen, das seine Klamotten von mehr oder minder glücklichen, fair bezahlten Angestellten in den USA zusammennähen lässt und nicht wie die Konkurrenz von kläglich entlohnten Kindern in Dritte-Welt-Ländern.

Aber - und jetzt kommt das Problem - die Sachen von American Apparel gefallen mir leider nicht besonders gut. Schlimmer noch, die meisten ihrer Klamotten finde ich sogar ausnehmend häßlich. Es ist wirklich ein Dilemma!

Gut zu wissen jedoch, dass ich nicht alleine mit dieser Misere dastehe. Peter Unfried, stellvertretender Chefredakteur der taz, berichtet in seinem klugen und unterhaltsamen Buch “Öko. Al Gore, mein neuer Kühlschrank und ich” ebenfalls von diesem Problem. In einem Gespräch mit dem Wiener Gesellschaftskritiker Robert Misik fallen folgende Sätze:

“Es stellte sich heraus, dass er dasselbe Problem mit American Apparel hatte wie ich: Die Sachen gefielen ihm nicht. Jedenfalls nicht so gut wie die von H&M.”

Immerhin sind wir jetzt schon zu dritt…